Vor denen ist gar nichts sicher
Mnozil Brass
Stürmischer Beifall für sieben Musiker aus Österreich
Ein bis auf den allerletzten Platz ausverkaufter Saal, darin ein bunt gemischtes Publikum, das sich in totaler Begeisterung einig war für sieben exzellente Musiker, vor denen nichts sicher war - dies ein Fazit des Auftritts von Mnozil Brass in Solothurn.
Alois Winiger
Im vergangenen Jahr liessen die Konzerte von Mnozil Brass (spricht sich so wie zu lesen) aufhorchen. Seither hat sich die Gruppe unter Liebhaberinnen und Liebhabern von Blasmusik zu einem Mythos entwickelt. Innert kurzer Zeit waren sechs der acht Konzerte der diesjährigen Tournee durch die Schweiz ausverkauft, wie der Organisator Peter Frank (Zuchwil) berichtet.
Warum lockt diese Formation ein grösseres und stärker durchmischtes Publikum an als andere, die schon länger europa- und zum Teil weltweit bekannt und ebenfalls mit Musikern aus der oberen Profiliga besetzt sind? Spätestens nach dem fuliminanten Auftakt im Solothurner Konzertsaal wurde klar, dass Mnozil Brass nicht «nur» für Musik steht, sondern dass die sieben Musiker unterhalten und vor allem Freude machen wollen. Und zwar dem Publikum genau so sehr wie sich selber, obwohl sie manchmal so tun, als wären sie nicht bei der Sache. Dabei haben es alle faustdick hinter den Ohren, jeder kann mit dem Instrument in höchste Höhen entschweben um gleich wieder in tiefste Lagen abzusteigen, und das alles oft in einem atemberaubenden Tempo und einem Tonvolumen, bei dem ein Laienmusiker neidisch wird und ein Liebhaber kultivierter Töne die Nase rümpft. Ihre Arrangements sind sehr raffiniert und meist siebenstimmig gesetzt. So gerüstet durchqueren sie Klassik, Folklore, Jazz und Schlager. Es gibt kein Programm. Man ist nie sicher, ob sie das angefangene Stück beenden, ob sie es abändern oder ausbauen. Allerdings bringt diese Art des Musizierens den Nachteil, dass jener Teil des Publikums etwas zu kurz kommt, der gerne ein paar Stücke in voller Länge und mehr oder weniger gemäss Originalkomposition geniessen möchte.
Wo der Unterschied liegt
Mit der Mischung von Musik und Komik tritt ein Unterschied zu andern gleichartigen Formationen hervor. Die Mnozil-Brasser haben vor nichts Respekt, parodieren nicht nur die Musikstücke, sondern auch die Musiker. Sie treiben dazu Schabernack, wobei dieser oft nur in der Andeutung besteht, was die Situation besonders reizvoll macht. Erwähnenswert ist die Uraufführung eines «Konzerts für Raucher und undefinierbare Geräusche», eine Anspielung auf schwer verständliche Kompositionen der Moderne. Weiter hebt sich Mnozil Brass durch ihre Gesangsnummern ab, die nicht nur einen beachtlichen Teil ihres Repertoirs ausmachen, sondern auch eine erstaunliche Qualität haben. Hier steht dann jedoch die Parodie im Vordergrund, etwa eines Männerchors, eines Heldentenors, einer Rockgruppe oder eines Jodlers. Und schliesslich spielen und singen die Musiker während des gut zweistündigen Konzerts auch noch auswendig. Im Publikum hatte man Tränen in den Augen vor Lachen und vor Freude und verdankte das Gebotene mit frenetischem Applaus und Standing Ovations. Dass sich die sieben Musiker darüber ehrlich freuten, war an ihren Gesichtern deutlich abzulesen.
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