Irmingard Kurier Premierenkritik
Zicken-Alarm zum Schmunzeln
Jubel, Ovationen und Heiterkeit bei den Salzburger Festspielen – bei der Uraufführung von "Irmingard" von Bernd Jeschek und Mnozil Brass.
Ein atemberaubender Cocktail an blasmusikalischen Kunststücken. DruckenSendenLeserbrief
Sie ist schon eine rechte Bissgurn: Die fesche und kapriziöse Irmingard, Enkelin des Kaisers, die jeden Prinzen kalt abblitzen lässt. Ob Kannibalen-Adel oder der schöne Bertl, Mann aus Melk: Alle scheitern an der reschen Resl, pardon: der mieselsüchtigen Irmingard.
Obwohl nach allen Regeln der Kunst gebalzt wird. "Oh Irmingard, Du Herrliche, Du Göttliche, Du Heißbegehrte." Sogar der mit weißen Flügerln ausgestattete Amor, der seine Pfeile verschießt, wird zum Amok laufenden Maniac.
Zum Lachen
Bernd Jescheks "Das trojanische Boot", die "erste Operette des 21. Jahrhunderts" und erste Theaterarbeit von Mnozil Brass, war vor drei Jahren bei der Ruhrtriennale vom Start weg eine Sensation.
Jetzt ist dem Team ein grandioser Anschlusserfolg gelungen – mit einer musikalischen Humoreske, einem Märchen in Reimen, "wahrscheinlich einer Oper" über "die Macht des Schicksals". Die Edel-Schmonzette wurde Sonntag im Salzburger Republic uraufgeführt und bejubelt.
Beim jüngsten Coup mit Thomas Gansch, Robert Rother, Roman Rindberger, Gerhard Füßl, Zoltan Kiss, Wilfried Brandstötter und Leonhard Paul, der die unnahbare Prinzessin mit Krönchen auf dem Kopf spielt, blasen sich die Spaßvögel und musikalischen Grenzgänger mitg’sundem Schmäh durch Fanfaren bis Hymnen.
Bläser-Eskapaden
Das Ensemble Mnozil Brass lässt im munteren Crossover Walzer und Tango, Landler und Schlager, Rap und Schmalz quer durch alle denkbaren Stile anklingen oder aufeinanderprallen, dass es ein Heidenspaß ist.
Da gibt’s einen Mix aus Folklore und Jazz, Mozart-Zitaten und Chorälen, Opernparodien und allerlei Clownerien. Mal volles Rohr mit Tuba, Posaunen, Trompeten und Flügelhorn, mal gedämpft, jedenfalls mit bestechender Eleganz und beeindruckendem instrumentalen Können. Allerdings Schwächen im Solo-Gesang.
Die Musiker im von Ferdinando Chefalo präzise choreografierten Spektakel sind schauspielerisch mehr als zuletzt gefordert, beim virtuosen Herumalbern fast pausenlos in Bewegung und haben irgendwie doch noch genug Atem, um ihr Blech kraftvoll klingen zu lassen.
Anstrengend
"Es geht an die Grenzen. Aber ich erspare mir so das Fitness-Center", sagte nach der Show Thomas Gansch, der an der Kompositionscollage den größten Anteil hat. "Was wir machen, ist keine große Kunst, sondern gute Unterhaltung." Und wenn mit so viel Witz und Charme und Schwung herumgealbert wird, dann ist das auch schon wieder große Kunst.
Fazit: Noch eine brilliante Klamotte
Stück: Eine von Bernd Jeschek (Buch & Regie) in Reime gefasste Story rund um eine gefrustete Prinzessin, sieben ob ihres erfolglosen Balzens ebenfalls genervte Prinzen nebst Baronessen, Amor, Kaiser, ...
Performance: Die Sieben von Mnozil Brass blödeln, tanzen, singen und blasen virtuos ihr Blech in der musikalisch-szenischen Burleske.
Humor: Trocken bis skurril.
INFO: Ab 9. 10. im Burgtheater. Eine Aufzeichnung der Produktion sendet ORF 2 am 29. 9. (23.30 Uhr)
Artikel vom 26.08.2008 10:04 | Werner Rosenberger | reis